Silberbergwerk-Suggental

Das Suggental

Die Gemeinde Suggental, seit 1971 Ortsteil der Stadt Waldkirch, liegt nördlich von Freiburg im Breisgau und südwestlich von Waldkirch, am westlichen Schwarzwaldrand. Das gleichnamige Tal mit dem, mal Suggen- mal Talbach genannten, Fließgewässer mündet am Fuße des Engebuck ins Elztal und zieht sich von dort auf einer Länge von mehr als drei Kilometern nach Südosten bis zum 630 m hohen Lusergipfel hinauf. Auf dessen anderen Seite befindet sich das Glottertal - auch bekannt durch die Schwarzwaldklinik. Folgt man dem Grat des Gebirges weiter in östlicher Richtung so erreicht man bald den Kandel, mit 1231 m Höhe einer der höchsten Schwarzwaldberge. Der heutige Ort hat 375 Einwohner und beginnt gleich am Taleingang, wo die Bundesstraße 294 und die Kreisstraße 5103 vorbeiführen. Hier befindet sich auch das Suggenbad, das als Heilbad und durch seine Schwefelquelle schon im Spätmittelalter überregionale Bekanntheit erlangte. Heute ist es ein Hotel. Die Quelle befindet sich im frei zugänglichen Hinterhof und ist durch seinen Schwefelgeruch leicht zu erkennen.

Bergbauspuren im Suggental

Bergbau im Suggental - für einen Ortsunkundigen ist es schwer vorstellbar, dass in diesem am Schwarzwaldrand gelegenen Idyll einst Montanindustrie betrieben wurde. Auf den ersten Blick weist ja auch recht wenig auf die alte, eng mit der Geschichte des Tals verbundene Bergbautradition hin: Land- und Forstwirtschaft und die Natur haben sich größtenteils zurückerobert, was der Bergbau in jahrhunderte langer Abbautätigkeit formte und veränderte. So schrieb der Waldkircher Chronist und Rechtsanwalt Dr. Willi Thoma anlässlich einer Wanderung durch das Suggental im Jahre 1974: "Dreht man sich (am Vogelsanghof) um, schaut man in eines der schönsten Schwarzwaldtälchen, gewissermaßen in eine Mantelfalte Gottes eingehüllt."

Erst wenn man mit offenen Augen durch das Gelände streift, erkennt man nahezu in jedem der malerischen Winkel Spuren der intensiv betriebenen Ausbeutung der Suggentaler Erzgänge im Hochmittelalter und der frühen Neuzeit. Verfallene und längst vergessene Hinterlassenschaften wie Stollenmundlücher, Schurfpingen, Abraumhalden, Schächte und Abbauspalten, Schmiede- und Schmelzplätze, sowie andere dem Bergbau dienliche Gebäude und Überbleibsel, zeugen von einem der ehemals reichsten Reviere des Breisgau. Allein 92 Stollen, Schächte und Schürfe sollen einmal vorhanden gewesen sein. Vom Vogelsanghofbauern ist dazu der kennzeichnende Satz überliefert: "Kein Hamberle dät hier mehr schlofe, wenn er wißt, wie hohl der Berg isch, auf dem der Hof stoht." Die Grabenhofbäuerin soll einmal in einem sich hinter dem Traktor ihres Mannes auftuenden Loch verschwunden sein, und noch im Jahr 2004 brach die Teerstraße unterhalb des Duggenhauerhofs ein.

Wasser für die Bergwerke

Das Suggental wird von einem wasserarmen Bach durchflossen, der nördlich des Schlossecks entspringt und nach 2,6 km in die Elz mündet. Im Mai 1284 genehmigte Graf Egen von Freiburg den Freiburger Fronern Burkhard Turner, Heinrich Wollebe, Konrad Ederlin sowie Meister Konrad Rotermellin und allen ihren Gesellen den Bau eines Wassergrabens (Haasis-Berner 1998, S. 7; Haasis-Berner 1999, S. 98ff; Westermann 2004, S. 268). Dieser führte bei den Silberbergen und bei des "Herzogs Berge" im Suggental über das Gebiet des Klosters St. Peter (Schreiber 1828, S. 18) und hatte eine Gesamtlänge von ungefähr 15 km. Die damit verbundenen hohen Investitionskosten zeugen von der Kapitalkraft der Froner sowie der Kenntnis der zu erwartenden Erzausbeute. Der Wuhrgraben am Kandel ist vergleichbar mit dem von im Blei-Silbererzbergbau von Bere Ferrers (Großbritannien, Grafschaft Devon) aus dem 15. Jahrhundert, der eine Länge von 16 km aufweist (Claughton 1994, S. 57f.).

Wuhrgraben
Abb. 1: Karte gezeichnet nach R. Metz (1962, S. 313 Abb. 7).

Das herangeführte Wasser bewegte eine Wasserkunst, d.h. eine Maschine (Kunst), die mit Hilfe von Wasserkraft Wasser hebt. Sie diente zum Trockenlegen der unter der Talsohle befindlichen Bereiche der Bergwerke. Noch Ende des 18. Jahrhunderts waren Reste der Radstube, in der sich die Wasserkunst befand, sichtbar (Carato 1786). Die Kunst im Suggental ist die erste nachweisbare Anlage dieser Art in Mitteleuropa. Vom möglichen Bauablauf der mittelalterlichen Gräben geben die Quellen zu den "Kunstgräben" im Harz aus dem 17. und 18. Jahrhundert einen Eindruck (Liessmann 1997). Der Bau eines Grabens im gebirgigen Gelände zur Heranführung von Wasser hat seine ersten Probleme in der Festlegung eines gleichmäßigen Gefälles. Das Abwägen wurde schwieriger, je flacher das Gefälle angesetzt wurde (s. dazu Schmidt 1989, S. 47ff.). Gräben größerer Länge wurden in Handschachtung an mehreren, vom Markscheider unabhängig vermessenen Punkten gleichzeitig begonnen. Die Vermessungen nahmen am Bestimmungsort des Wassers ihren Anfang. Der Graben wurde in Schnurlängen nach vorgegebenem Gefälle abgepflockt. Der Abstecktrupp bestand aus einem Markscheider (oder Grabensteiger), zwei Lattenhaltern und einer weiteren Hilfskraft zum Einschlagen der Pflöcke. Ausgehend von einem bereits eingeschlagenen Holzpflock wurden Lage und Höhe des nächsten Pflockes durch waagerechtes Spannen einer Schnur ermittelt. Eine einheitliche Regel für das Grabengefälle gab es nicht. Mit zunehmenden Erfahrungen wurden die Gefälle geringer, und man lernte, dass der Grabenquerschnitt vergrößert werden musste, wenn das Gefälle flacher gewählt werden sollte. Die Linienführung der Gräben orientierte sich immer entlang der Höhenlinien. Die Art des Grabenbaus dürfte sich über mehrere Jahrhunderte kaum geändert haben. Nach Festlegung und Vermessung des Verlaufes konnte an mehreren Orten mit den Ausschachtungsarbeiten für den Graben begonnen werden. Wichtig war, dass für die Tiefe einheitliche Bezugspunkte angegeben wurden, die sich auf die Grabensohle oder Brusthöhe bezogen. Wenn das ausgehobene Bodenmaterial nicht ausreichend dicht war, wurden leicht bindiger Verwitterungslehm (Dammerde) verbaut oder Rasensoden zur Grabendichtung verwendet. Der Wuhrgraben kann als ein Schlüssel zum Erfolg des Bergbaus im Suggental gewertet werden. Er ist durch eine Kombination von Informationen über Wasserversorgung, Lagerstätten, Graben- und Maschinenbau entstanden. Die Technik des Grabenbaus war derart ausgereift, dass sie die nächsten Jahrhunderte keine wesentlichen Weiterentwicklungen erfuhr.

Vorläufer der Arbeitersiedlungen des Industriezeitalters

Die Bergleute wohnten mit ihren Familien direkt bei den Bergwerken. (Haasis-Berner 1998, S. 7) Auf der Wiese beim Bürliadamshof (Schlossmatte, Zwieger) wurde immer wieder Keramik gefunden. Reste der Siedlung konnten 2004 bei Bauarbeiten beobachtet werden. Wie die Häuser der Bergleute gebaut waren, konnte jedoch nicht ermittelt werden. Wahrscheinlich handelte es sich um einfache Holzbauten. Die Funde zeigen, dass einige mit Kachelöfen ausgestattet waren. Die Keramikfunde aus der Siedlung im Suggental unterscheiden sich nicht wesentlich von den in Stadthaushalten in Freiburg. Es handelt sich neben Ofenkacheln im wesentlichen um Scherben von Töpfen, die zum Kochen und für die Vorratshaltung dienten, die dazugehörigen Topfdeckel und Henkel so genannter Verena-Krüge. Schalenlampen aus Ton können sowohl im Haushalt als auch im Bergwerk verwendet worden sein. Die Keramik gehört im Wesentlichen in das 13. Jahrhundert, nur wenige Stücke sind jünger. Unter den Funden deutet nichts auf einen größeren Wohlstand hin, ebenso wie in den zeitgleichen Siedlungen von Sulzburg (Rauschkolb 2006) und Todtnauberg. Lediglich ein Haus hob sich durch Steinbauweise von den anderen ab. Das feste Gebäude im Suggental "Schlossmatte" diente wohl dem Eigenschutz seiner Bewohner sowie deren repräsentativen Selbstdarstellung. Einen militärischen Schutz für das Bergrevier konnte es nicht gewährleisten (vgl. Herdick 2001, S. 150). Vermutlich war es der Sitz des Vogtes, in dem auch die geförderten Silbererze verwahrt wurden. Die Ansprüche des Herrn auf die erwirtschafteten Erträge sollten mit dem Bau eines angemessenen Herrschaftssitzes bildhaft vor Augen geführt und vor Ort praktisch durchgesetzt werden (vgl. dazu auch Altenberg Müsen im Siegerland). Entsprechende Aufgaben hatten wohl auch die Birchiburg bei St. Ulrich sowie eine weitere kleine (ältere) Befestigungsanlage mit Turm oder "Festem Haus". Ein Beispiel aus dem 16. Jahrhundert ist von Echery im Lebertal bekannt. Der Typ des "Festen Hauses" und der Wohnturm sind eng verwandt, so dass eine Ansprache bei geringen erhaltenen Resten erschwert wird. Auch die Mauerdicke gibt keinen Aufschluss, und selbst bei aufgehend erhaltenen Bauten ist eine Abgrenzung schwierig. "Feste Häuser" erscheinen ab dem 9./10. Jahrhundert. Für das 13./14. Jahrhundert sind nur vereinzelte Beispiele bekannt. Türme sind ab dem zweiten Viertel des 11. Jahrhunderts nachweisbar (Barz 1993, S. 16ff.). Auch im Zusammenhang mit Verhüttung können "Feste Häuser" erwartet werden, wie Beispiele von Düna bei Osterode am Harz (um 1000; Steinau 1986, Klappauf 1991, Klappauf 1993, Klappauf & Linke 1996, Bartels 1996) und Poikam am Donauufer bei Kelheim zeigen (um 1000 zunächst unbefestigter Hof, dann um 1250 Errichtung eines "Festen Hauses"; Herdick 2006, S. 149f; Christlein 1975, S. 8ff; Barz 1993; Zahn 1979, S. 146). Bergbausiedlungen konnten nicht für sich allein bestehen, da sie ausschließlich auf Bergbau ausgerichtet waren. Alle Gebrauchsgüter und Nahrungsmittel mussten daher von zentralen Siedlungen eingeführt werden. Eine solche Funktion als Versorgungszentrum ist im 13. Jahrhundert in der Stadt Waldkirch zuzuschreiben, die vermutlich in dieser Zeit gegründet wurde.

Unserer Lieben Frau im Suggental

Ihre letzte Ruhestätte fanden Menschen aus der Bergmannssiedlung auf dem Friedhof neben der Kirche "Unserer lieben Frau im Suggental". Sie wurde vermutlich im 13. Jahrhundert im oberen Tal errichtet (Slotta 1983, S. 1263-1266). Die erste urkundliche Erwähnung der Kirche stammt aus dem Jahre 1413 (Rambach 1954, S. 57). Aus einer Bittschrift von 1653 geht hervor, dass die Kirche im Dreißigjährigen Krieg einem Brand zum Opfer fiel. Aufgrund baulicher Schäden wurde sie 1835/36 abgebrochen und eine neue Kirche im unteren Suggental gebaut. Nur die alte Sakristei blieb als Friedhofskapelle bestehen. In dem Raum mit Kreuzrippengewölbe haben sich noch Reste der ursprünglichen Ausmalung erhalten. Wie die Kirche vor Abbruch aussah, zeigt eine Federzeichnung des des J. Felizian Geisinger im Jahrs-Buch der Kaplanei zu Buchholz aus dem Jahre 1783 (Rambach 1954, S. 59). Eine kurze Beschreibung findet sich auch bei Carato (1786).

Kirche im Suggental
Abb. 2: Ansicht der Kirche im Suggental nach der Federzeichnung Felzian Geisingers von 1783.

Die Zeichnung Felizian Geisingers von 1783 zeigt einen mehrphasigen Bau, wobei im wesentlichen der Zustand nach den Renovierungen 1732 und 1738 wiedergegeben sein dürfte. Insgesamt sind Baumaßnahmen vor allem vom Ende des 16. bis in die erste Hälfte des 18. Jahrhunderts belegt (Rambach 1954, S. 58ff.). Die Wand des Kirchenschiffes wird mit gotischen Spitzbogenfenstern ohne Maßwerk und mit Portal dargestellt. Bereits 1567 wird berichtet, dass u.a. die Fenstergestelle zerbochen seien. Die Sakristei weist die auch heute noch erhaltenen quadratischen Fenster auf. Vom Kirchenschiff verläuft ein Mauerstück an der Westwand der Sakristei entlang. Im erhaltenen Baubefund ist die Ausbruchstelle zu sehen. Die Kirche wird nach Osten durch eine quadratische Apsis abgeschlossen, die ein rundes und darüber ein quadratisches Fenster zeigt. Der Dachreiter hat ein barockes, zwiebelförmiges Dach. Pläne oder großflächige Grabungen, die weiteren Aufschluss über das Aussehen und vor allem auch die bauliche Entwicklung der Kirche geben könnten, fehlen. Lediglich eine kleine Notgrabung wurde 1976 durchgeführt.

Grabunsplan der Kirche im Suggental
Abb. 3: Skizze gezeichnet nach dem Grabungsplan in der Ortsakte Suggental (Regierungspräsidium Freiburg, Referat 25) und Vermessungen der Forschungsgruppe Suggental.

Nur die alte Sakristei blieb als Friedhofskapelle bestehen. Sie ist ein ungefähr 5 x 5 m im Geviert messender Bau aus Bruchsteinmauerwerk. An der schon früher freistehenden Ecke sind Sandsteinquader mit Bossen und Randschlag zu sehen. Die spitzbogige Tür auf der Südseite und die tiefgekehlten Fenster können noch dem 14./15. Jahrhundert zugewiesen werden. In dem Raum mit spätgotischem Kreuzrippengewölbe haben sich Reste der ursprünglichen Ausmalung erhalten. Der Schlussstein des Gewölbes trägt das Wappen der Herren von Schwarzenberg. In der Westwand der Sakristei befindet sich ein von außen zugemauertes Spitzbogenfenster mit der angeblichen Hochwassermarke von 1298, bei der es sich jedoch um einen Wasserschaden handelt. Das Gewölbe geht über den oberen Teil des Fensters hinweg. Dieses ist damit älter und datiert eventuell noch in das 13./14. Jahrhundert. Es wurde von seiner Innnenseite her zugemauert, d.h. in der Sakristei ist die Außenseite zu sehen. In der Außenwand auf der Südseite ist unter der Dachtraufe ein ausgebrochenes Fenster erkennbar. Der Befund zeigt, dass die Sakristei vermutlich im 15. Jahrhundert in der Ecke eines älteren Kirchenbaues errichtet wurde. Die Südseite und der innere Teil der Westmauer gehören zur mittelalterlichen Kirche des 13./14. Jahrhunderts.

Burgen zum Schutze des Bergbaus?

Im oberen Wegelbachtal wurde vermutlich um 1100 die Schwarzenburg errichtet (Haasis-Berner 1998, S. 4). Wie bei anderen Burgen im Schwarzwald wird auch ihr nachgesagt, sie habe dem Schutz der Silberbergwerke gedient (vgl. dazu Metz 1962, S. 283). Die Bergwerke sind von der Burg aus jedoch nicht einzusehen. Ferner ist unbekannt, ob im Suggental um 1100 bereits Bergbau betrieben wurde. Ob der Bergbau am Hornbühl mit der Burg in Verbindung gebracht werden kann, ist nicht zu belegen. Auch bei den meisten anderen Burgen ist kein Zusammenhang zwischen Burg und Bergbau festzustellen. So war z.B. auch die im späten 12. Jahrhundert errichtete Keppenburg wohl eher eine Burg zur Erschließung des umliegenden Gebietes.


  • Nach oben