Silberbergwerk-Suggental

Die Geologie der Erzlagerstätte Suggental

Das regionalgeologische Umfeld

Das Suggental lässt sich in das Grundgebirge des Scharzwaldes, die sogenannte Zentralschwarzwälder Gneismasse, einordnen. Nach der amtlichen geologischen Karte des Gebietes (GK 25 / Blatt 7913 Freiburg Nordost) bildet ein heller, z. T. Hornblende führender, Paragneis das Nebengestein des Suggentales. In diesen eingeschaltet findet sich in W-E Richtung eine Einheit von Hornblende führendem Orthogneis. Eine Grenze zwischen beiden Einheiten verläuft laut GK 25 auch im Bereich der "Grube Erich". Diese konnte jedoch im Rahmen der Kartierung nicht bestätigt werden. Beide Gesteine sind in einer Zone, die parallel zum Talgrund des Suggentales verläuft, in der Vergangenheit starker bruchhafter Verformung ausgesetzt gewesen.

Geologische Karte
Abb. 1: Geologische Karte des Suggentals und Umgebung (GK 7913; Groschopf & Schreiner 1980)

Strukturgeologie / Tektonik

Strukturgeologisch betrachtet liegt das Suggental auf einer als Kandel-Scholle bezeichneten Großstruktur. Diese wird im Nordwesten von der Elztalstörung und im Norden von der Simonswälder Störung begrenzt. Die Simonswälder Störung kann mittlerweile auf Basis der Nachuntersuchungen des Waldkirch-Erdbebens aus dem Jahre 2004 als gesichert angesehen werden. Die Simonswälder Störung geht in die jungpaläozoische Störungszone von Zinken-Elme über. Im Süden wird die Kandel-Scholle durch einen Abbruch zur 500 m tiefer liegenden Fläche von St. Peter begrenzt.

Groschopf et al. (1996) vermuten, dass die Kandelscholle auf ihrer Südseite von einer Störung begrenzt ist, die etwa in NW-SE-Richtung durch das obere Glottertal in das Suggental reicht. Diese Störung wird als diejenige erachtet, die den Hauptteil des Vertikalversatzes während der Hebung der Kandelscholle infolge der Hebung der Grabenschultern des Oberrheingrabens kompensiert. Es kann als gesichert angesehen werden, dass eben diese die Hauptstörung im Suggental darstellt, die durch die Grube untertage aufgeschlossen ist und im Rahmen der Forschungsarbeiten im Tal untersucht wurde und weiter wird.

Das Erdbeben der Magnitude 5,4 auf der Richterskala, das sich am 04.12.2004 unterhalb des Kandelmassives ereignete, zeigt, dass die Umgebung des Suggentales auch heute noch geologisch sehr aktiv ist.

Ergebnisse der geologischen Forschungsarbeiten

Eine Oberflächenkartierung ist auf Grund schlechter Aufschlussverhältnisse im Tal wenig sinnvoll. Daher wurde das Augenmerk verstärkt auf die Stollenkartierung gelegt, die zudem optimale Aufschlussverhältnisse für den Erzgang darstellen. Auf der geologischen Karte des Silberbergwerk Suggentals sind alle bis dato verfügbaren Kartierergebnisse zusammengestellt. Auf Grund des weitergeführten Vortriebs wird auch diese Datenlage wachsen.

Es ist zu erkennen, dass der St. Josephi-Stollen zum größten Teil im Erzgang aufgefahren wurde. Nur im Bereich des Mundloches, in einem Querschlag und am ein oder anderen Stoss steht Orthogneis an. St. Anna-Stollen und Matze-Stollen wurden senkrecht zum Erzgang aufgefahren und geben so einen gute Querschnitt über die Verhältnisse der Bereiche parallel zum Erzgang wieder. Diese Stollen durchfahren zudem teils dezimeter- bis metermächtige Ruschelzonen.

Geologische Stollenkartierung
Abb. 2: Geologische Kartierung der Grube Erich im Suggental.

Die Darstellung der im Suggental gemessenen Strukturdaten für Störungen, Salband des Erzganges und Quarzgängen zeigt eine deutliche Vorzugsrichtung im Streichen um 130°. Alle Strukturen, mit Ausnahme der Quarzgänge, fallen mit ca. 80° nach Südwesten ein. Die Quarzgänge fallen, genau um 90° gedreht, nach NE ein.

Diese auffallende Ähnlichkeit der Strukturen in ihrer Raumlage erlaubt den Schluss, dass sie miteinander genetisch verknüpft sind, es sich im Suggental also um eine störungskontrollierte Vererzung handelt.

Schmidtznetz und Rosen-Diagramm
Abb. 3: Auftragung der gemessenen Strukturdaten als Dichteverteilung im Schmidtnetz und als Rosen-Diagramm. Lineationen als Großkreisdarstellung.

Es handelt sich bei allen Störungen, auf denen Bewegungsindikatoren gemessen wurden, um schräge Abschiebungen. Dabei ist ein Trend in Richtung dextraler, also rechtsseitiger Schrägabschiebung erkennbar. Die Bildung der Störungen wird dominiert durch eine vertikale Komponente, die sich in Abschiebungen darstellt, und durch eine horizontale Komponente, die eine Schrägheit der Abschiebungen bewirkt.

Mineralisation

Die Erzlagerstätte Suggental ist eine hydrothermale Ganglagerstätte. Heiße, hoch mineralisierte Tiefenwässer, die entlang von Wegbarkeiten wie Störungen oder Klüften im Gestein aufstiegen, lagerten mit geringer werdender Tiefe verschiedene Minerale an den Wänden der aufgerissenen Störungen ab.

Mineralogisch lässt sich der St. Josephi-Gang als Quarz-Schwerspat-Sulfiderz-Gang zusammenfassen. Schwerspat stellt den weitaus überwiegenden Anteil der Vererzung dar. In diesen eingesprengt finden sich verschiedenste Sulfiderze wie Bleiglanz und Fahlerz, die als Silberträger im Mittelalter das Hauptziel des Silberbergbaues waren. Weiterhin findet sich Eisensulfide wie Pyrit, Markasit und Kupferkies (Chalcopyrit) in nennenswerter Konzentration. Kupferkies wurde früher auch zur Gewinnung von Kupfer abgebaut. Weiterhin wurde eine Vielzahl anderer Minerale identifiziert. Die folgende Tabelle listet alle nachgewiesenen Minerale auf:

Tabelle 1: Tabelle der im Silberbergwerk identifizierten Minerale. p: primär, s: sekundär; * beschrieben durch Steen (1995); + beschrieben durch die Forschungsgruppe; − beschrieben durch Seeburger (2009).

Mineral p/s Mineral p/s
 
Element Karbonate
Silber, gediegen s Calcit + s
Schwefel, gediegen s Cerussit * s
Dolomit * p/s
Sulfide Malachit * s
Arsenopyrit * p Siderit + p
Bournonit - p
Chalcopyrit * p Sulfate
Chalcosin + s Anglesit * s
Covallin * s Baryt * p
Digenit * s Brochantit * s
Freibergit - p Gips / Anhydrit + s
Galenit * p Jarosit * s
Markasit + p Linarit * s
Polybasit - p
Pyrargyrit - p Arsenate
Pyrit * p Bayldonit * s
Spalerit * p Mimetesit * s
Tennantit * p Parasymplesit * s
Tetrahedrit + p Segnitit * s
Scorodit * s
Oxide
Cuprit * s Phosphate
Goethit + s Pyromorphit + s
Hämatit + p/s Scheelit * s
Limonit + s
Quarz * p Silikate
Serizit * s
Karbonate Chrysokoll + s
Ankerit + p/s
Azurit * s

Für das Sugggental können anhand von Proben aus dem Erzgang, Dünnschliffen und dem Erzgang selbst fünf Kataklase-Phasen nachgewiesen werden, die von vier Mineralisationsphasen gefolgt werden. Mineralisationsphasen 1 und 2 zeichnen sich durch starke Silizifizierung und Abscheidung von Hämatit, zusammen mit weiteren Sulfiden wie Pyrit, Markasit, Chalcopyrit, Tetrahedrit und Galenit aus. Phase 3 ist durch große Mengen an Barit, oder auch Schwerspat genannt, charakterisiert. Auch diese Phase wird von Sulfiden, vor allem Bleiglanz, begleitet. In der letzten Phase (Mineralisationsphase 4) wird der Erzgang durch Wasser und Sauerstoff oxidiert. Dies führt zur Bildung zahlreicher Sekundärminerale. Diese liegen allerdings allesamt nur in mikroskopischer Größe vor.

Einschlussuntersuchungen in der Diplomarbeit von Seeburger (2009) ergab ein heterogenes Ausgangsfluid. Die Hauptgangminerale Barit und Quarz wurden bei Temperaturen unter 200°C aus einer hochsalinaren CaCl2-H2O-Lösung ausgefällt.

Umweltgeologie

Im Rahmen einer Bachelorarbeit an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg wurde die "Schwermetallmobilisierung im Bereich alten Bergbaus" im Suggental untersucht. Zu diesem Zwecke wurden an verschiedenen Stellen sowohl in der Grube als auch im Suggenbach Wasserproben genommen. Die Bachproben oberhalb der Stollen weisen einen höheren Mineralgehalt auf als unterhalb der Stollen. Somit ist erwiesen, dass die Stollenwässer die Konzentrationen im Bach verdünnen und somit in keinster Weise umweltschädigend sind.

Geophysik

Im Laufe der letzten Jahre wurden zudem diverse geophysikalische Methoden auf ihre Anwendbarkeit, in Bezug auf Altbergbau und der "Erkundung" von hydrothermalen Schwerspatgängen, in diesem speziellen Fall hin untersucht. Zum Einsatz kamen dabei u.a. Geomagnetik, Geoelektrik, Hammerschlagseismik und Gammaspektroskopie. Vor allem die Ergebnisse der Geoelektrik überzeugten. Diese Messkampagne wurde in Zusammenarbeit mit der EG Geosciences des Einstein-Gymnasiums Kehl durchgeführt. Auf diesem Wege nochmals herzlichen Dank!

Interpretation der geoelektrische Eichlinie
Abb. 4: Interpretation der geoelektrischen Eichlinie über den bekannten Bereich des Erzganges.


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